Sina Lindenberg hat mich zum Thema "Kundensuche bei Selbstständigen und Unternehmen" interviewt

 

Gerade in der Anfangsphase bringt die Selbstständigkeit einige Hürden mit sich. In der Gründungsphase kommt unweigerlich das Thema der Kundensuche auf die Unternehmer zu. Matthias ist auf den Vertrieb spezialisiert und bietet rund um das Thema sein Fachwissen und begleitet Gründer, Start-Ups und Unternehmen und hat mir ein paar wichtige und spannende Fragen dazu beantwortet.

Sina: Hallo Matthias und vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast uns ein paar wichtige Fragen sowie einen Einblick in das Thema Vertrieb zu geben. Stell dich doch bitte einmal vor. 

Matthias: Danke Sina ich freue mich über das Interview. Ich möchte hier ausführlich antworten, da mein Hintergrund / meine Story auch meine Arbeit widerspiegelt.

Mein Name ist Matthias, ich bin 33 Jahre jung und komme aus Düsseldorf. Nachdem ich 10 Jahre im Vertriebsaußendienst eines mittelständischen IT-Dienstleisters tätig war und ausgebildet wurde, nahm ich eine Sabbatauszeit. Ich wollte einfach mal etwas anderes sehen als dieses 9 to 5 Arbeitsleben. Das tat auch wirklich gut, um mal rauszukommen und andere Seiten des Lebens kennenzulernen. Wir haben ein Pferd bei dem ich viel Zeit verbrachte. Allgemein verbrachte ich viel Zeit in der Natur und lernte andere Seiten, aber auch Strukturen, des Lebens kennen. Manche belächelten mich dafür, da es etwas ganz anderes war als zuvor.

In diesem Jahr wurde mir auch klar, dass ich dieses 9 to 5 Leben als Angestellter nicht mehr fortsetzen wollte und die ersten Gedanken der Selbstständigkeit kamen auf. Für die Richtung war ich offen. Aber dann wurde mir klar „Hey wieso nicht mit dem Thema Vertrieb?“ Ich habe Erfahrung, bin gut ausgebildet und mit Menschen zutun zu haben macht mir großen Spaß.

Also selbstständig mit dem Thema Vertrieb. Menschen und Unternehmen bei der Kundensuche helfen. Und das Ganze mit Hilfe des Internets auch deutschlandweit.

Ich glaube ich habe mich zu Anfang darin von Anderen unterschieden, dass ich nicht monatelang geplant habe, sondern nach einer kurzen Planungsphase relativ schnell losgelegt habe.

Sina: Und wie lief Dein Start?

Matthias: Sehr gut! Das ist nichts selbstverständliches für mich, sondern dafür bin ich auch heute noch froh und dankbar.

Ich glaube mein Glück ist auch, dass ich aus dem Vertrieb komme. Also das Handwerk beherrsche und sofort mit der Kundensuche angefangen habe und auch Kunden gefunden habe.

Stolz bin ich darauf, dass ich für alle Kunden der ersten Stunde noch arbeite. Langfristigkeit, Zuverlässigkeit und offene Kommunikation für beide Seiten sind mir extrem wichtig. Auch für meinen alten langjährigen Arbeitgeber arbeite ich heute wieder.

Sina: Das zeichnet dich meines Erachtens sehr aus und spiegelt dich und deine Arbeitsweise wieder. Woran glaubst Du scheitert es denn oft bei Menschen die ein Unternehmen oder Ihr Business gründen?

Matthias: Sie sollten sich nicht in der Planung verlieren und ehrlich zu sich selbst und ihrem Geschäft sein.

Alltäglich bekomme ich mit oder lese ich von Menschen die wirklich monatelang an ihrer Website, ihrem Produkt und ihrem Business planen und sich darin verlieren. Man darf mich nicht falsch verstehen, das ist natürlich auch wichtig und darf in keinem Fall vernachlässigt werden. Aber oft haben die Kunden leider nicht auf ihr Geschäft oder ihr Produkt gewartet. Gerade zu Anfang ist es enorm harte Arbeit sich bekannt zu machen und erste Kunden zu finden.

Ist der erste Schritt getan wird es oft einfacher, zumindest wenn die Kunden zufrieden sind. Weiterempfehlungen und die Weiterentwicklung des Geschäftes erleichtern das Leben. Außerdem ist die erste Zeit in der alles zusammen kommt oft eine der Stressigsten.

Sina: Was empfiehlst Du denn vertrieblich in dieser ersten Zeit oder auch langfristig?

Matthias: Es hängt natürlich von dem Bereich, dem Produkt und dem Auftritt ab. Allgemein würde ich heute sagen, dass online sowie offline wichtig ist. Natürlich ist eine Website heute nötig und essentiell. Außerdem kann Social Media, Newsletter usw. dabei helfen Kunden zu gewinnen. Jeder hat heute die Möglichkeit mit Hilfe des Netzes leicht überregional anzubieten, wie ich es selber auch mache.

Neben diesem Online-Trend ist Offline heute immer noch wichtig oder wird wieder wichtiger.

Nehmen wir das Beispiel „virtuelle Assistenz“ (kurz: VA). Ich selber habe das Gefühl, dass das Internet im Moment von virtuellen Assistenten überlaufen wird. Weil man es „mal eben so“ werden kann und viele denken damit lässt sich leicht Geld verdienen. Diese VA’s tümmeln sich im Internet, in den gleichen Social-Media-Ecken und wenn es einmal eine Anfrage gibt kann sich jeder denken was passiert.

Ich werde auch oft gefragt ob ich „VA Portale“ empfehle? Ein klares Nein von mir. Hier das Gleiche: Erstens kosten diese oft eine Gebühr, die man sich meiner Meinung nach sparen kann, aber zum anderen tummeln sich dort auch viele VA’s und wenig Anfragen.

Firmen fällt es schwer bezüglich der Qualität zu unterscheiden und es herrscht ein extremer Preiskampf. Vernünftige VA’s finden gerade zu Anfang ihrer Selbstständigkeit selten (vernünftig bezahlte) Aufträge.

Hier kann der proaktive offline Vertrieb vor der Tür viel wert sein. Man ist exklusiv unterwegs und kann sich und sein Geschäft präsentieren. Und viele Firmen vor der Tür benötigen dringend eine VA, da würde ich drauf wetten.

Es gibt verschiedene klassische offline Möglichkeiten. Besuche, Anrufe, Flyer, Visitenkarten, Zeitungsanzeigen können goldwert sein. Also Proaktivität! Diese Firmen werden auch viel eher dazu bereit sein, einen vernünftigen Lohn zu zahlen.

Sina: Du empfiehlst also der „sehr modernen VA“ wieder klassische Vertriebswege?

Matthias: Im Moment kann das in jedem Fall eine gute Möglichkeit sein. Ansonsten ist es zu Anfang schwierig sich von anderen zu unterscheiden und an vernünftige Aufträge zu kommen, außer mit Glück.

Ist dieser erste Schritt getan, sieht es wieder anders aus. Weiterempfehlungen, Kundenfeedbacks und Erfahrungen sorgen dafür sich zu abzusetzen und die Kundensuche fällt leichter.

Sina: Hast Du noch einen praktischen Tipp für die erste schwierige Vertriebszeit?

Matthias: Den Tipp, den man überall als erstes hört möchte ich trotzdem auch nennen: Versucht euch von anderen zu unterscheiden. Beispielsweise ist die Website nunmal oft heute eure wichtigste Visitenkarte. Macht euch einen Vertriebsplan. Wen wollt ihr anschreiben? Wieviele Kontakte im ersten Monat? Macht euch einen Wochenplan und haltet ihn ein. Falls kein Erfolg da ist überprüft ihn und passt ihn an. Vertrieb ist oft eine Fleissarbeit die Tagelang oder Wochenlang keinen Erfolg bringt. Aber ohne diese Arbeit (Durststrecke) kommt auch kein Erfolg. Und das verstehen viele nicht oder wollen es nicht verstehen.

Es gibt natürlich Menschen wie mich die ein wenig zur Seite stehen, motivieren und helfen. Dem einen bringt eine solche Hilfe etwas, dem anderen nicht. Ich kann aber auch niemanden Kunden herbeizaubern. Die Arbeit liegt bei euch. Glaubt auch nicht den ganzen Online Kursen / Büchern die euch mit wenig Arbeit einfachen Erfolg versprechen.

 

Das Interview führte Sina Lindenberg: http://www.lindenbergsflow.de